Die Fakten zum Rennen:

Das Race Across America zählt zu den härtesten Rennen der Welt. Es ist ein 5.000 km Nonstop-Radrennen gegen die Uhr von der Westküste Amerikas zur Ostküste. Die Route ist fest vorgegeben, variiert aber von Jahr zu Jahr. Gefahren wird nicht in Etappen, sondern ohne Unterbrechung. Gestartet wird gemeinsam –  wer als erster im Ziel ist hat gewonnen. Jeder Fahrer wählt seine Schlafpausen selbst, meist sind das nicht mehr als 1-2 Stunden pro Tag. Die besten Fahrer bewältigen die 5.000 km lange Strecke in nur 8 Tagen.

Start: Portland/Oregon

Ziel: Pensacola/Florida

Entfernung: 2.975 Meilen / 4.940 km

Höhenmeter: 30.000 hm (das sind im Schnitt 2x pro Tag mit dem Rad auf den Großglockner von der Mautstelle Ferleiten bis zum Fuschertörl)

Höchster Punkt:3.200 Meter / Tennesse Pass

Höchsttemperatur:45 Grad

Tiefsttemperatur:-5 Grad

Längster durchgehender Anstieg:60 km

Timestations:54

Bundesstaaten:Oregon, Idaho, Utha, Wyoming, Colorado, New Mexico, Oklahoma, Arkansas, Mississippi, Alabama, Florida

Strassen:von schlechten, holprigen, einsamen Seitenstrassen bis zu stark befahrenen Interstates (Autobahnen)

Teilnehmer:23 Solo Fahrer, 1 Tandem, 1 zweier Team, 5 vierer Teams

DIE HÄUFIGSTEN FRAGEN:

Warum macht man so was?

Die am häufigsten gestellte Frage. Und die einzige Frage die
ich nicht klar beantworten kann. Also die Gegenfrage: Warum nicht? Meine
Erlebnisse, die ich niedergeschrieben haben sollten aber genug Gründe geben,
warum es kein Fehler war die Strapazen auf mich zu nehmen.

Wie wird kontrolliert ob du dich an die Regeln hältst?

Es gibt die Rennofficials, die Stichprobenartig die Fahrer
überprüfen und dann gibt es auch noch freiwillige Helfer, meistens Radclubs oder
Fans, die einem bestimmten Abschnitt der Route zugewiesen sind. Man muss also
immer darauf gefasst sein, dass man beobachtet wird. Jeder Bauer, jede Person
auf einer Veranda oder jeder Bauarbeiter könnte ein Rennbeobachter sein. Mir
kam aber sowieso nie der Gedanke, mich am Fahrzeug anzuhalten und ziehen zu
lassen, da ich mich ja nur selbst beschissen hätte.

Gibt es ein Preisgeld?

Nicht einmal für den Sieger gibt es ein Preisgeld.
Allerdings gibt es einige Sachpreise, die jeder, der das Rennen beendet, erhält.
Das ist vor allem die Medaille und die Urkunde, dann gibt es eine Uhr, einen
Pulsmesser und einen Radcomputer. Das schönste Mitbringsel ist allerdings das
eigens kreierte „official-Finnisher-Radtrikot“.

Spielt Doping eine Rolle?

Doping spielt meiner Meinung nach in jeder Sportart eine
Rolle. Für mch war das nie Thema, weil man die Leistung ja für sich selber bringen will und ich mich nur selber damit Beschissen hätte. Allerdings müssen dem Körper
natürlich schon vermehrt Vitamine und Nährstoffe zugeführt werden, was mit
normaler Nahrung bei diesem Verbrauch nicht mehr möglich ist.

Mit welcher Pulsfrequenz bist du gefahren?

Mein Plan war, am ersten bei ca. 130 – 140, nie aber über
160 Puls zu fahren, das war die Obergrenze meines Ausdauerbereichs.
Normalerweise kann ich bei 160 Puls sehr schnell fahren. Aber ich hatte am
Beginn einen ungewöhnlich hohen Puls und fuhr auch mit einer Pulsfrequenz von
150-160 nur sehr langsam. Ich führe das auf meine Krankheit zurück. Ab dem
zweiten Tag blieb ich aber immer im Bereich von 120-140 Schlägen in der Minute.

Fährt du noch einmal?

Im Moment würde ich liebend gerne das Rennen noch mal in
Angriff nehmen. Es gibt so viel, das ich noch verbessern kann und ich würde mir
auch ein Top 5 Ergebnis zutrauen. Vor allem aber möchte ich noch einmal die
unbeschreibliche Gefühle erleben, die ich während des Rennens hatte. Das alles
setzt aber eine professionelle Vorbereitung und Betreuung voraus, die ich mir
nicht leisten kann.

Was macht eigentlich die Crew?

„Die fahren ja nur hinter dir her und geben dir ab und zu
was zu trinken“ So denken die meisten Menschen über meine Begleitmannschaft.
Aber es ist viel mehr zu tun, als man eigentlich glaubt. 3 Personen sind
dauernd hinter mir im Begleitfahrzeug. Sie versorgen mich mit Essen und
Trinken, sorgen für die Orientierung und für meine Unterhaltung (Musik über
Lautsprecher, der am Dach des Begleitfahrzeuges angebracht ist). 3 Personen
haben Pause und versuchen ein wenig zu schlafen oder fahren voraus um die
Strecke und den Straßenzustand auszukundschaften (um zum Beispiel gefährliche
Abfahrten vorauszusagen) Dies hilft auch Pausen richtig zu koordinieren.
Manchmal gibt es Umleitungen wegen Baustellen, die nach 18:00 wieder aufgehoben
werden. Dann wird eventuell die Schlafpause vorverlegt und ich brauche keinen
Umweg in Kauf zu nehmen und gewinne dadurch wieder Zeit. 4 Personen erledigen
inzwischen verschiedene Besorgungen, waschen Wäsche, kochen, gehen einkaufen,
auftanken und vieles mehr. Dieses 3er-Radl wurde ca. alle 8 Stunden getauscht.
3 weitere Personen – Susi, Gerald und Ulli – sind nicht direkt ins Team
integriert. Susi kümmert sich darum, dass meine Homepage immer aktuell ist und
die Freunde in der Heimat immer am neuesten Stand sind, Ulli ist unser Fotograf
und Gerald ist der Fahrer dieses „Presseteams“.

Hast du dich auch mental auf das Rennen vorbereitet?

Ja, das mentale Training war sehr wichtig für mich. Die
richtige Motivation ist das um und auf, sonst schafft man es nicht, 11 Tage auf
dem Rad zu verbringen. Mental habe ich mich durch Meditation, mentales Training
und Entspannungsübungen auf das Rennen vorbereitet. Das geistige Training
beinhaltete ca. 30% meines Trainingsvolumens.

Wie ernährt man sich während des Rennens?

Mein Plan sah vor, zwischen 12000 und 13000 Kalorien pro Tag
zu mir zu nehmen. Das ist nur mit flüssiger Ernährung möglich. Ich trank dabei
pro Tag zwischen 20 und 35 Liter meines Spezialgetränks, das ich während der
vielen Trainingsfahrten optimal auf mich abgestimmt habe. Natürlich geht es
aber auch nicht ohne feste Nahrung. Neben der Flüssignahrung nahm ich also auch
Nudeln, Kartoffeln, Reis, Eierspeise, Kuchen, Kekse und Sandwiches zu mir.

Kriegt man überhaupt was vom Rennen und der Landschaft
mit?

Viele Menschen glauben, dass man nach ein paar Stunden in
eine Trance verfällt und erst im Ziel wieder „aufwacht“. Dem ist aber
keinesfalls so. So intensiv wie in diesen 10 Tagen habe ich kaum einmal eine
Landschaft und ein Land erlebt. Jede Abwechslung, jeder Baum, jeder Hügel sorgt
für willkommene Abwechslung und zieht einen in den Bann. Als ich nach dem
Rennen die Fotos betrachtet habe, wusste ich immer sofort genau, welchen
Abschnitt das Foto zeigte. Manchmal jedoch wünschte ich mir wirklich, in eine
Trance zu verfallen, und nichts mehr zu spüren, vor allem in der Zeit, als ich
starke Schmerzen hatte. Vor allem in der Nacht war es gegen Ende sehr trostlos und
ein reiner Kampf gegen die Kilometer.

Wie lange brauchtest du, um dich vom Rennen zu
erholen?

Ich hatte einen unheimlichen Schlafmangel und konnte nach
dem Rennen praktisch ununterbrochen schlafen. Nach ca. 1 Woche stellte sich
mein normaler Schlafrhythmus wieder ein. Im Gegensatz zu manchen
Crewmitgliedern hatte ich aber keine Schlafstörungen nach dem Rennen. Die
Blutwerte waren 3 Tage nach dem Rennen (vorher hatte ich keine Möglichkeit zur
Blutabnahme) vollkommen in Ordnung. Der Blutdruck war ca. 1 Woche lang sehr
niedrig. Nach 2 Wochen begann ich wieder leicht zu trainieren (im
Erholungsbereich). Nach ca. 1-2 Wochen nach dem Rennen ging die Haut an meinem
Hintern ab und begann sich zu erneuern, das kribbelte sehr, war aber nicht
schmerzhaft. Das einzige Problem waren mein Finger bzw. Hände. 1 Monat lang
konnte ich diese kaum bewegen und es stellte sich auch keine Besserung ein.
Nachdem ich es schließlich doch ein wenig mit der Angst zu tun bekam, begann
ich mit gezielten Fingerübungen und ca. 3 Monate nach dem Rennen war mein
Körper vollkommen regeneriert. Aber halt, etwas war da noch: Ziemlich lange
nach dem Rennen schmerzten immer noch meine Zähne. Das Zahnfleisch war von den
Unmengen Flüssigkeit, die ich in mich hineinschüttete dermaßen angegriffen,
dass die Zahnhälse freilagen. Das ist aber auch wieder in Ordnung.

Hast du Folgeschäden?

Wie bereits erwähnt ist mein Körper wieder vollkommen
regeneriert und verschiedenen Tests beweisen sogar eine
Leistungssteigerung. Die Halluzinationen
während des Rennens beweisen aber, dass ich mich ziemlich nahe an der Grenze
des Möglichen bewegt habe. Eine ärztliche Aufsicht wäre für mich das nächste
mal wirklich unerlässlich.

Warum war kein Arzt dabei?

Ich habe mir zwar geschworen, das Rennen nicht ohne ärztliche
Aufsicht anzugehen, aber durch mehrere unglückliche Umstände musste mein Arzt 2
Wochen vor Abreise absagen. Somit war es unmöglich einen Ersatz aufzutreiben.
Für mich stellte sich nun die schwierige Frage, ob ich zwei entbehrungsreiche
Jahre einfach so hinschmeiße und auf einen Start verzichte, oder ob ich das
Risiko eingehe. Durch die fehlende Kontrolle verloren wir zwar viel Zeit, aber
mit dem Wissen von Hannes und der Fürsorge aller Crewmitglieder haben wir es
schließlich doch Gesund überstanden.

DAS REGELBUCH::



Das Reglement des Rennens umfasst ca. 20 A4 Seiten. Es gibt allgemeine Regeln, eigene Regeln für den Fahrer, für die Crew, für die Fahrräder und Fahrzeuge. Lon Haldemann, Organisator des Rennens, fasste die Regeln recht einfach zusammen: „Ride safe and don´t cheat!“ Damit ist eigentlich alles gesagt. Sicherheit ist oberstes Gebot. Das heißt, Verkehrsregeln beachten und bei Übermüdung eine Pause einlegen. „Dont´t cheat“ heißt, nicht bescheissen und zu unfairen Mitteln greifen. Hier trotzdem die wichtigsten Regeln.

Allgemeine Regeln:



Offizielle Rennzeit: Die Uhr beginnt am Start zu laufen, da 3 Zeitzonen durchfahren werden, gibt es eine offizielle Zeit, die Central daylight Time. Die Uhr wird von da an unter keinen Umständen angehalten. Das Rennen gilt als beendet, wenn die Ziellinie in Pensacola erreicht ist, oder wenn das Zeitlimit überschritten wurde. Die offizielle Rennzeit beträgt 11 Tage und 12 Stunden.

Wird dieses Zeitlimit überschritten erfolgt automatisch die Disqualifikation. Man kann das Rennen dann natürlich noch inoffiziell beenden.

Regeln für den Fahrer

Es ist nicht erlaubt im Windschatten anderer Fahrzeuge zu Fahren. Der Abstand zu einem anderen Radfahrer oder zu einem anderen Fahrzeug muss nach vorne mindestens 100 Meter betragen. Pro 24 Stunden ist es aber erlaubt, 15 Minuten mit einem anderen Fahrer zu sprechen. Anschließend muss der Abstand wieder hergestellt werden.

Die Verkehrsregeln müssen auf jeden Fall eingehalten werden. Besonderes Augenmerk wird dabei auf Stopptafeln und Ampeln gelegt.

Der Fahrer muss die gesamte Strecke mit seinem Fahrrad zurücklegen. Das Fahrrad darf allerdings auch geschoben werden. Mitfahren oder anhalten am Begleitfahrzeug führt zur sofortigen Disqualifikation.

In der Nacht ist das Anbringen einer Lichtanlage am Fahrrad vorgeschrieben.

Dopingtest finden vor dem Rennen und nach dem Rennen statt. Manchmal wird auch während des Rennens getestet. Bis jetzt wurde noch bei keinem Teilnehmer Doping festgestellt.

Regeln für die Crew

Das Begleitfahrzeug darf maximal 4x pro Stunde für 1-2 Minuten neben dem Fahrer herfahren um Essen und Trinken zu übergeben.

In der Nacht und bei schlechter Sicht muss das Begleitfahrzeug immer 5-10 Meter hinter dem Fahrer sein. Ohne Begleitfahrzeug darf die Fahrt nicht fortgesetzt werden.

Auch die Begleitcrew muss natürlich die Verkehrsregeln einhalten und darf vor allem nicht die anderen Verkehrsteilnehmer behindern.

KLEINES RAAM WÖRTERBUCH

Crew:

Jeder Teilnehmer hat eine eigene Mannschaft, die ihn während des Rennens betreut. Diese Mannschaft wird „Crew“ genannt. Die Aufgabe besteht darin, auf die Ernährung des Fahrers zu achten, die richtige Strecke zu finden, Einkäufe zu erledigen, Wäsche zu waschen, den Fahrer zu unterhalten und zu motivieren. Meine Crew bestand insgesamt aus 13 ausgesuchten Personen, darunter meine Frau Verena, meine Eltern Sepp und Ruth und 10 Freunde bzw. Bekannte.

Officials:

Die „Officials“ überwachen den Rennverlauf, achten darauf, dass keiner der Fahrer oder keine Crew die Regeln übertritt. Sie sind während des Rennens allgegenwärtig und sind auch Ansprechpartner für Fragen zu Rennverlauf und können auch Strafen für einen Regelbruch verhängen.

RAAM:

Das ist die Abkürzung für Race Across AMerica

Rookie:

Ein „Rookie“ ist ein Teilnehmer, der zum ersten Mal an diesem Rennen teilnimmt. Die meisten Rookies kommen nicht ins Ziel, da die Erfahrung fehlt, ein solches Rennen zu überstehen. Deshalb gibt es auch einen Preis für den besten Rookie des Jahres. Diesen Titel holte sich heuer der Österreich-Schweizer Martin Lorenz, der den beeindruckenden 4. Platz belegte.

Routebook:

Die Strecke quer durch Amerika ist zwar genau vorgegeben, trotzdem sind die Straßen nicht abgesperrt oder markiert. Jedes Team muss also selbst die Strecke finden. Dabei hilft das Routebook. Jede Kreuzung, jede Straßennummer, jede Ampel und Stopptafel, sogar Tankstellen und besondere Landschaftsmerkmale sind darin vermerkt. Vor allem in den Städten ist es aber schwierig, den Überblick zu bewahren. In der weiten Prärie gibt es meistens sowieso nicht viele Möglichkeiten sich zu verfahren. Wählt man dort jedoch die falsche Abzweigung dauert es aber meistens ewig, bis man den Fehler bemerkt. Die verlorene Zeit wird natürlich nicht gutgeschrieben.

Timestation:

Auf der Strecke von Portland/OR nach Pensacola/FL gibt es 54 Timestations ca. 80 – 100 km voneinander. Bei den Timestations wird die Durchfahrtszeit jedes einzelnen Fahrers notiert. Diese Zeit muss von den Crewmitgliedern an die Officials gemeldet werden. Der Fahrer muss nicht stehen bleiben. Meistens finden sich bei den Timestations auch einige Fans ein, die dann natürlich kräftig anfeuern. Diese Timestations helfen den Officials den Überblick über den Rennverlauf zu behalten.

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